Atlantisch. Azoren 2019: House of the Dackel

Als Unterkunft auf Sao Miguel hat die Reiseleitung ein Zimmer in einem Bed-&-Breakfast-Etablissement gebucht. Die Betreiberin spielt mit offenen Karten und stellt umgehend den tatsächlichen Besitzer der weitläufigen Liegenschaft vor. Einen, ob seines fortgeschrittenen Alters, des Lebens müden Dackel, der sich über die Fliesen schiebt. Das Haus erscheint dem Tier von den verstorbenen Besitzern vermacht und ihm testamentarisch lebenslanges Wohnrecht zugesichert worden zu sein. Anders ist nicht zu erklären, warum die um Tisch- und Wandervogelbeine schleichende, betteln- und kläffende Kreatur nicht schon lange „entlaufen“ ist.

Neben dem tückischen Meereinstieg in Ponta Delgada, bietet die Insel weitere Möglichkeiten den Atlantik authentisch zu genießen. Eine besonders Attraktive sind die Termas da Ferraria; hier kracht das Meer mit all seiner Wucht auf Vulkanstein, wer nicht aufpasst und die quergespannten, im Wasser treibenden, Seile anpackt, kann nach einer Welle seine Überreste mit einem Espressolöffel von den Wänden des Naturpools kratzen. Todesverachtend tollen die Wasservögel unter fassungslosen Blicken sicher an Land Stehender, bis die Bademeister mit schrillen Pfiffen das Freischwimmen wegen akuter Gefährlichkeit abbrechen.

Es geht in die Berge, wo die Ruine des Hotels Monte Palace mit Blick über die Sete Cidades darauf wartet, inspiziert zu werden. Interessanter noch als die Betonruine selbst – vor deren Betreten dutzende Schilder warnen – ist die Geschichte dahinter. In den 1980er-Jahren völlig überdimensioniert und vermeintlich mit schmutzigem Geld zum Zwecke der Wäsche eben dieses gebaut, ging das Overlook Hotel nach wenigen Jahren pleite. Nachdem der Besitzer Brauchbares zu Geld machte, kamen irgendwann die Bewohner der umliegenden Dörfer. Badewannen, Doppelbetten, Hängeschränke – das Interieur des Hotels lebt in dutzenden Haushalten auf der Insel weiter.

Weil die Einheimischen zwar Fisch gut fangen, aber nur selten auch gut zubereiten können, ergreifen die Wandervögel selbst die Initiative und besorgen sich zwei Fische. Dankenswerterweise übernimmt die freundliche Verkäuferin das Schuppen – derart energetisch allerdings, dass sich Zuschauende vor den hoch fliegenden Fischteilen in Acht nehmen müssen. Unter Flüchen ob der schlechten Qualität des Arbeitsgeräts wendet die Reiseleitung die gemehlten Meeresbewohner in der vor Jahren sicher einmal beschichtet gewesen seienden Pfanne, während Wandervogel 2 zur schnibbligen Salatzubereitung nebst Vinaigrette-Herstellung degradiert wird. Doch am Ende zählt eben das Ergebnis: volle Bäuche und eine versaute Küche.

2 Gedanken zu „Atlantisch. Azoren 2019: House of the Dackel

    • Ein verständlicher Wunsch. Leider sind die Wandervögel schon weitergeflogen und können diesen daher nicht erfüllen. Schlechter Leserservice.

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