Atlantisch. Azoren 2019: Neuer Tag, neue Insel

Um möglichst viel vom Tag zu haben, hat Wandervogel 1 den ersten Flieger auf die zweite Azoren-Insel Faial gebucht. Lange bevor sich die Sonne über den Horizont bemüht, schleppen die Reisenden ihre Kadaver in ein Taxi zum Flughafen und verwarten dort kostbare Lebenszeit. Das freundlich wirkende Hotelpersonal gab ein Lunchpaket auf den Weg, dessen Inhalt dessen wahren Charakters offenbart. Zwischen Weißbrotscheiben geklatschte Augenwurst und Scheiblette, was für ein Start in den Tag. Ebenfalls unter den Wartenden ein Trupp Koriander, die ob ihrer Kleidung offensichtlich einen Outdoorladen ausgeräumt haben – Tropenschlapphüte, Karoblusen und Hosen mit abtrennbaren Beinen inklusive.

Der vermeintliche Direktflug entpuppt sich kurz vor Start als Gabelflug mit einem Stop auf der Insel Terceira. Damit es den Reisenden nicht zu langweilig wird, heißt es bei der ersten Landung: Aussteigen. Im Gänsemarsch geht es über das Rollfeld, wobei die Wandervögel zu verschlafen sind, um auf den Weg zu achten. So finden sie sich unerwartet nicht im Transit-Bereich, sondern vor dem Ausgang des Flughafens wieder. Es folgt ein hektisches Gerenne über Stockwerke und durch idiotische Gepäckkontrollen. Das Ende von Lied ist eine absurde Strophe: Es geht zurück über das Rollfeld in den zuvor verlassenen Flieger zur Weiterreise. Auf die selben Plätze. Kann man sich nicht ausdenken.

Mit einem Affenzahn knattert der Taxifahrer die Wandervögel am Zielort durch die engen Kopfsteinpflasterstraßen der Inselhauptstadt Horta; ein ähnlich verschlafenes Nest wie Ponta Delgada voller knatternder Mopeds und Kleinwagen, die jedoch erstaunlich viel Respekt vor Zebrastreifen haben. Nachdem das Gepäck in der Unterkunft mit Bergblick auf Pico abgeladen wurde, schreiten die Wandervögel zur Erkundung. Der ganze Stolz der Hortaner ist der Supermarkt „Continente“, in dem sich die Reisenden mit Fanta Maracuja und einem dringend benötigten Brathähnchen eindecken, das sie umgehend auf dem Kirchplatz verputzen.

Als Tagesaktivität hat Wandervogel 1 Strandbaden auf die Agenda gesetzt. Ob des flachen Einstiegs bleibt das Vortagsspektakel von Wandervogel 2 aus. Allerdings lässt sich Wandervogel 1 einen spitzen Schrei nicht nehmen, als die Badenden von einem Schwarm fliegender Fische attackiert werden, jedoch alle Parteien das unerwartete Zusammentreffen unbeschadet überstehen. Da die ganzen Flüge und der Schlafmangel dann doch tiefer in den Knochen sitzen als erwartet, lässt sich Wandervogel 1 zu einer frühen Einkehr überreden: Pizza und Wein mit Blick auf den wolkenverhangenen Azorenberg – ein Vorbote für das Desaster, das der kommende Tag bringen wird.

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