Atlantisch. Azoren 2019: Neue Abenteuer, alte Feinde

Das Zusammenwirken vielfältiger Gründe zerstörte die originären Reisplanungen der Wandervögel für die zweite Jahreshälfte; Nepal und Kanada fassten sich an den Händen, nickten sich ernst zu und sprangen von der Brücke. Zurück blieb, traurig winkend und angsterfüllt durch das, was auf es zukommen sollte, Portugal. Tatsächlich nicht in seiner Gänze, sondern nur das Filetstück, die Azoren, mitten im atlantischen Nirgendwo. Schließlich benötigten die Wandervögel noch was mit A, denn hinter das Zwasiland hatten die beiden ja bereits einen Haken gesetzt.

Dumpfe Trommelschläge leiten die Abreise der Wandervögel ein. Mit ihrer Freizeit Überforderte verausgabten sich beim Drachenbootrennen auf der Kieler Förde, bejohlt von der um 13 Uhr volltrunkenen neumünsteraner Stadtgemeinschaft. Vom Heimweh geplagt, quetscht sich diese Landplage in den ultimativen Gleichmacher Flughafenzubringer zu den naserümpfenden Globetrottern. Die Rolle der reisebegleitenden Nervensägen übernimmt von der alkoholisierten Unterschicht in Hamburg die chinesische Delegation, die bei ihrem Ausflug nach Nordeuropa das Klima unter- und die eigenen Abwehrkräfte überschätze. Was folgt ist ein Zubringerflug erfüllt von dem Schniefen, Rachenkratzen und Hochhusten, das die Wandervögel eigentlich in China hinter sich gelassen glaubten. Geister der Vergangenheit.

Noch mehr von der Sorte erwartet die Wandervögel in Frankfurt. Wie sollte es anders sein, sind es die Erzfeinde der Reisenden, fleischgewordene Flugscham in Form einer vielköpfigen Horde Koriander. Um die unendlich lange Wartezeit auf den Anschlussflug nach Lissabon zu längen, aktivieren die Koriander ihre infantilen Nervensägen, freilaufender hochenergetischer Terror. Die Brut entfaltet im verspäteten Flieger dann seine ganze fatale Wucht, als der kleine Ling mit der App „Keyboard“ auf Papa Lings Samsung-Telefon die Mitreisenden im Umkreis von sechs Sitzreihen in den Wahnsinn treibt. Offenbar auch die Piloten, die sich nicht mehr an ihr Versprechen gebunden sehen, die Verspätung wieder aufzuholen.

Statt eines zügigen Weiterflugs erwartet die Wandervögel in der portugiesischen Landeshauptstadt Zettel schwenkendes Personal. Taxigutscheine, Hotelgutscheine, Verzehrgutscheine und neue Bordkarten für den nächsten Flug um 7 Uhr am Folgetag. Völlig ausreichend, wenn man sich anderthalb Stunden zuvor am Flugzeughof einfände. „Halb sechs? Ernsthaft?“ schallt es aus den ungläubigen zu Schlitzen verkniffenen Augen der Wandervögel? „Mas claro, Caro!“ Der Versuch die Essensgutscheine einzulösen, scheitert an der Arbeitsmoral des Service-Personals, das mit beschwichtigenden Gesten abwinkt, abkordelt und restliche Lebensmittel lieber in Schweineeimern entsorgt, als eine Minute später in den Feierabend zu gehen. Dann eben hungrig ins Bett, statt mit einem Eimer von KFC.

Vor das Bett hat Gott das Taxi gestellt. Als nicht die Einzigen vom Verspätungsschicksal Betroffenen, reihen sich die Wandervögel in die endlose Reihe der auf Taxis Wartenden ein. Die Laune des Taxifahrers kippt kurz nach Fahrtantritt aufgrund eines Missverständnisses: eine Fehlinterpretation der jovialen Zwei-Finger-Geste von Wandervogel 2, die zwei Fahrgäste und nicht zwei Taxigutscheine signalisieren sollte. Trotz halber Beute knattert er durch das nächtliche Lissabon und kippt die Reisenden vor einer Blau leuchtenden Bettenburg aus. Die wichtigen Antworten erhält Wandervogel 1 beim Check-In: „Frühstück dann ab sieben. Ach da sind sie schon weg? Ja, bedauerlich. Boa noite.“

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