Mzungu. Ostafrika 2018: Gestatten, Jim Pansen

Nach den Gorillas ist vor den Schimpansen und so quälen sich die Wandervögel erneut vor Sonnenaufgang aus dem Zelt. Mit ihrem Ansinnen sind sie nicht allein, fast alle Gäste der Herberge scheinen den gleichen Plan zu verfolgen. Nicht verwunderlich, denn schließlich gibt es in Bigodi nicht viel mehr zu tun als im Busch nach Schimpansen zu suchen. Bevor es in den Dschungel geht, dürfen sich die Wandervögel noch zu Rettern in der Not aufschwingen: Die Zeltnachbarn aus Berlin haben sich einen Platten eingefahren, so dass die Reisenden sich als Chauffeure anbieten.

Im Busch angekommen bleiben Kindertänze erspart und stattdessen gibt es affige Fakten über 1.450 Schimpansen, die im Nationalpark leben und sich auf 13 Gruppen von je etwa 120 Tieren aufteilen. Lediglich fünf der Gruppen seien an Menschen gewöhnt so der Flecktarn-Dozent, die anderen müssten erst noch dafür begeistert werden, sich begaffen und fotografieren zu lassen. Nach den Gorilla-Erfahrungen aus dem Bwindi Impenetrable Forest auf das Schlimmste vorbereitet stehen die Wandervögel in voller Montur bereit – Gamaschen inklusive. Allerdings entpuppt sich das Trecking schnell als Regenwaldspaziergang.

Auf ausgetretenen Pfaden geht es durch das lichte Unterholz. Aus ferner Höhe dringen schrille Schreie heran. Nach einer knappen Dreiviertelstunde steht die teutonische Wandergruppe, der die Wandervögel zugeteilt wurden, dann unter Wipfeln, in denen sich die Schimpansen ihr Nest gebaut haben. Dichtes Blattwerk behindert die Sicht und das Naturerlebnis verkommt zum Hörspiel für Vorstellungskräftige. Zu allem Überfluss überkreuzen sich die Pfade mit denen einer anderen Expedition, so dass ein ganzes dutzend von vier schwarzen Rangern bewachte Weiße im Gänsemarsch durch die Botanik schlurfen.

Schließlich jedoch geben sich die Affen geschlagen und lassen sich aus den Baumkronen auf die Erde fallen, wo sie sich breitbeinig in Pose werfen. Um verwackelten Aufnahmen entgegenzuwirken, stellen sich die Tiere alsbald tot. In der Konsequenz kommt es zu einer bizarren Situation: Zehn in bunte Regenkleidung gehüllte Touristen stehen eine Viertelstunde lang unbeweglich im Urwald und fotografieren tausendfach reglose Primaten. Die höher entwickelten Wandervögel indes fotografieren die Touristen. In letzter Konsequenz: Gorillas > Schimpansen.

Nach einem erneuten Chauffeur/Samariter-Engagement, können die Wandervögel im Basislager ihre handwerklichen Kompetenzen unter Beweis stellen. Die Ablehnung des Hilfsangebots ignorierend macht sich Wandervogel 2 mit routinierten Handgriffen am Wagenheber zu schaffen, während der Landsmann noch das Vorwort der Broschüre „Was tun bei einem Plattfuß“ studiert. Mit ausladenden Bewegungen dreht der Profi an der Kurbel, als hätte er erst gestern seinen seligen Citroen Visa „Torpedo“ aufgebockt. In einem Land ohne ADAC muss man sich eben selbst zu helfen wissen – der nächste Plattfuß kommt bestimmt.

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