Xbox 360: Rayman Origins

Rayman war für mich ein wichtiger Kontaktmann, eine Schlüsselfigur. Bei meiner ersten Xbox war ein Stoß Spiele, darunter Rayman 3:Hoodlum Havoc (WP) als einzig spielbares, dabei. Gestrandet in der Einsamkeit der nordfriesischen Provinz setzte ich mich tagelang intensiv mit Rayman auseinander – schließlich gab es nichts anderes zu tun und ich hatte keine Memory Card. Rayman führte mich ein in die Next-Gen-Konsolen-Generation vergangener Tage. Schon damals war Rayman knuddelig und selbst die argwöhnischsten Weltbewohner wuschelig und alles herrlich dreidimensional und zuckersüß. Nach rund zehn Jahren haben wir uns nun wiedergetroffen. Von den ersten Into-Momenten an war klar, dass wir während Rayman Origins eine gute Zeit miteinander verbringen würden.

Die Ubisoft-Entwickler um Michel Ancel (WP), der neben den Rayman-Titeln auch auf Beyond Good & Evil stolz sein darf, haben sich nicht nur auf die Rayman-Wurzeln rückbesonnen, sondern das Buch Mario studiert. Da sich Nintendo beharrlich weigert seine Klempner-Plattformer auf die Xbox 360 oder andere Plattformen zu portieren, bastelt Ubisoft kurzerhand Mario-Rayman und schafft einen attraktiven Zwitter, der mit seinem spielerischen Anspruch Joypads und Nerven belastet, aber mit Detailverliebtheit und Ideenreichtum immer wieder entschädigt. Rayman Origins ist Zuckerbrot und Peitsche, serviert mit einem Glas Fanta an einem regnerischen Sonntagnachmittag.

Rayman durchhüpft alle Register, die zu einem Plattformer der Miyamoto-Klasse gehören: die Eislevel mit enervierender Rutschigkeit, die Unterwasserlevel mit sich aufblähenden Kugelfischen, Lavalevel mit glühenden Flammenmonstern. Vom Aufbau der Spielstruktur, die auf die Karte aus Super Mario Bros. III verweist, über in der Dunkelheit attackierenden Feinde, denen man wie in den Geisterhaus Leveln von Super Mario World heimleuchten muss, bis hin zur Ragtime-Musik, wann immer es in selbst scrollenden Spielstufen zur Sache geht. Raymon Origins ist ein Best of Mario, nur halt ohne Mario. Im lokalen Multiplayer vergnügt man sich zudem mit bis zu vier Spielern gleichzeitig und hilft sich aus, wie bei New Super Mario Bros auf der Wii. Oben drauf kommt der Humor von Earthworm Jim und Parodius, absurd aber stets Detailverliebt treffen wir Feuer speiende Currywürste und gigantische Mecha-Vögel.


Rayman wird gegen Ende hin schwer. Einfach mal einen Tag liegen lassen und dann wieder spielen schwer. Genau wie einst Rick Dangerous treibt Rayman Origins zur Weißglut… und pustet dann. Dann hilft nur brutalstes Auswendiglernen. Jeder Sprung, jeder Tastenfdruck muss in Fleisch und Blut übergehen. Es wird nicht gespielt, es wird im korrekten Moment ein Knopf gedrückt. Affe spielt Xbox. Aus Spielen wird dann Arbeit und irgendwann ploppt ein Fenster auf mit dem Angebot, dass Level zu überspringen. Entwürdigend. Da nützt dann auch all die Knuffigkeit nicht mehr, wenn man zum zehnten mal in einer Presse zermahlen wird. Da nützt es auch nichts, wenn man von Haus aus unendlich Leben hat, wenn man fortwährend wie Super Meat Boy unter die Zahnräder kommt. Rayman Origins ist ein hübscher Titel, der aber unsinnig schwer wird, dass es einem die Freude an der Hüpferei verleiten kann. Wenn man nicht hardcore ist – sodenn man die Zeit dazu hat.

Ein Gedanke zu „Xbox 360: Rayman Origins

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