Íngreme. Madeira 2020: Atlantisches Inferno

Ein weder gebetener noch erwünschter Gast sorgt für einen turbulenten Start in den Tag; Aufgrund ihrer ausgeprägten Gecko-Allergie dreht die Reiseleitung geringfügig am Rad und beäugt mit größter Skepsis die halbherzigen Versuche von Wandervogel 2, den flinken Insektenfresser aufzuscheuchen und in den außerhäusigen Bereich zu bugsieren. Tatsächlich prallen alle Scheuch-Ambitionen am Gecko ab, wie sachliche Kritik am Gecko-Scheucher. Da sich in der Sache gegenwärtig wenig bewegen lässt, entscheiden sich die Wandervögel dem Gecko die Gelegenheit zu geben, sich eigenständig zu verkrümeln, lassen die Terrassentür einen Spalt breit offen stehen und verlassen das Haus mit Badeintention.

Die gelbe Flagge weht über der Meerwasserbadeanlage und für die Badevögel gibt es kein Halten. Mit Schnorchel und Flossen spaddeln sie durch die Bassins und erfreuen sich am Krachen der Atlantikwellen, die immer wieder in die Anlage sprudeln. Den Fokus unter die Oberfläche gerichtet, beobachten die Schnochelnden die aus dem Ozean hereingespülte Fauna. Dabei entgeht ihnen der meterhohe Wellenklopper, der über die Anlage hineinbricht und ihre Habe in die Becken reißt. Sie vollbringen schließlich das Kunststück, Sandalen und Handtücher aus den Fluten zu klauben und verlassen die Meerwasserbadeanstalt schließlich wie begossene Rassehunde.

Um die Loden zu trocknen knattern die Reisenden die Serpentinen hinauf. Durch Haine farblos verblühter Hortensien in Buchsbaum-begrünte Höhenpässe, durch die der Hochnebel zieht. Laut Reiseführer soll hier der Feenwald liegen, den die Nebel in eine mystische Landschaft verwandeln und der nach dem Durchwandern den Blick eröffnet auf ein kilometerweites Panorama. Leider hat die Mannschaft mit der Nebelmaschine den Zettel falsch herum gelegt: Der nebelfreie Feenwald besteht aus ein paar bestens sichtbaren knorrigen Stinklorbeerbäumen. Dafür ist von dem Panorama nichts zu sehen, weil der Talkessel komplett in Nebelsuppe absäuft. Immerhin wirken die grasenden Rinder so geringfügig mystischer, wenngleich die von ihrem Dung übersäten Hänge zum Hindernislaufen animieren.

Getrieben von der Sorge, der olle Gecko könnte noch immer durch das Appartement irren, beschließt die Reiseleitung die Rückfahrt durch einen Abstecher zu atlantischen Felsen zu verlängern. Wie badende Supersaurier trotzen die Kolosse Brandung und Zeit und vereinen kunstvoll Gecko und Schwimmbad-Katastrophe. Doch bevor Wandervogel 2 zu weiteren Billo-Metaphern ansetzen kann, steuert die Reiseleitung gegen: zum einen stünde da noch die Terrassentür offen und zum anderen bestünde dringender Burger-Bedarf. So plündern die beiden den örtlichen Tante-Emma-Laden um den Gecko schliesslich durch den Geruch verbrannter Backofen-Pommes aus der Komfortzone zu vertreiben. Sollte das nicht reichen, tun die Verdauungsgeräusche der Vollgefressenen den Rest.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.