Gaijin. Japan 2019: Viel Lärm um Bambus

Die Wandervögel haben genug von den Betonblocks und Neonlichtern der 9,5-Millionen-Metropole und machen sich auf den Weg nach Kyōto, das mit etwa 1,5 Millionen Japanern sicher ländlicher anmutet. Sicher. Doch bevor es in die Stadt geht, steht grün auf dem Programm. Es zieht die Reisenden nach Arashiyama, dessen Bambuswald Weltruf genießt. Vor Ort stellen die Wandervögel allerdings fest, dass tatsächlich die ganze Welt und insbesondere die Koreaner den Bambus-Ruf vernommen haben und ihm gefolgt sind. Der winzige Ort ist voll von Bambus-Touristen und das Angebot entsprechend ausgerichtet. Bambus-Rückenkratzer, Bambus-Kaffeebecher, Bambus-Windräder. Bambus, Bambus und nochmals Bambus – und vor allem Koreaner.

Die Stammleserschaft weiß, die Koreaner sind der Wandervögel Kryptonit. Wo immer Sakralbauten oder beeindruckende Natur Ruhe gebieten, krakeelen die in Horden auftretenden Samsungs mit Trainingsanzügen in beknackten Dauerwellen munter umher. So auch im Bambuswald, der von einer Bahnlinie durchzogen ist. Selbst das extra in Koreanisch und sprachübergreifend auch Piktogrammen dargelegte Verbot hält die Nemesis nicht davon ab, johlend auf den Gleisen zu posieren. Um dem irritierenden Irrsinn zu entfliehen, ziehen sich die Wandervögel hinter eine Bezahlschranke zurück und erkunden das Anwesen des Stummfilmstars Okochi Denjiro.

Emsig schnippeln hier Gärtner auf wackeligen Leitern an Kiefern und Fichten herum, um das Grün in ästhetisch ansprechende Formen zu bringen. Auf Steinwegen mäandern die Wandervögel vorbei an Mooswiesen und idyllischen Bergblicken, um schließlich ihren Tee serviert zu bekommen. Alle Warnungen in den Wind schlagend, nippen sie an dem im Wasser aufgelöstem und aufgeschäumten Grüntee-Pulver. Eine dumme Idee, denn das vermeintliche Super-Getränk Matcha ist der Geschmack gewordene Geruch der Socken von Wandervogel 2. Schlimmer noch: Die küchliche Beigabe, die den Matcha-Geschmack komplementieren soll, stellt sich als Zuckerschock-induzierender Unsinn heraus. Geschmacklich höchst irritiert straucheln die Wandervögel zurück in den Zug.

Zurück in Kyōto wartet die größte Herausforderung des Tages. Wandervogel 1 hat ein Appartement in einem personallosen Komplex gebucht. Tatsächlich gestaltet sich der Check-In an einem iPad als erstaunlich reibungslos und auch die E-Mail mit dem Code für das Öffnen der Appartement-Tür rauscht direkt in den Posteingang. Im Inneren haben die Betreiber es geschafft, auf wenig Raum viel unterzubringen. Vor allem ein vernünftiges Bett für die zerschundenen Knochen. Die einzige Sorge die bleibt, was wenn das Toilettenpapier ausgeht? Eine Rolle macht noch keinen Sommer.

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