Mzungu. Ostafrika 2018: Grüße aus den 80ern

Als die Schnorchelvögel in die Unterkunft einkehren, ist dort die Hölle ausgebrochen. Die mittelalte australische Besitzerin hat beschlossen, sich mit einer gehörigen Dosis 80er-Pop ihre Jugend zurückzuholen. Eurythmics geben Whitney Houston die Klinke in die Hand, schlimme frühe Depeche Mode schließen an Flashdance an. Die akustische Folter findet kein Ende. Im Gegenteil legt das Personal zu Ehren der Chefin noch eine Schippe drauf und schiebt eine Reggae-Remix-CD in das Wiedergabegerät, die den Schrottpop mit monoton-bräsigen Ganja-Man-Rhythmen unterlegt. Die Wandervögel flüchten durch den Hinterausgang an den Strand von Matemwe.

Die Badetuch-Verkäuferinnen haben eingepackt und die mietbaren Massai-Krieger ihre Speere auseinander geschraubt. Bevor die Restaurant-Animateure mit zweifelhaften Preisversprechen um hungrige Kundschaft werben, gehört der Strand der ausschließlich männlichen Fußballjugend, die sich ihr Feld in den Sand gezeichnet hat. Wer nicht mitspielen darf, trainiert am Spielfeldrand von einem Stapel Autoreifen springend für die Karriere als Stuntman das verletzungsfreie Hinfallen. Progressiv unter den muslimischen Ländern dürfen die vollverschleierten dreijährigen Mädchen gemeinsam mit ihren Müttern Mandalas in den Sand zeichnen.

Auf dem Rückweg hat die Stunde der Animateure geschlagen. Der erste sagt den Wandervögeln ihre Herkunft auf den Kopf zu und begrüßt sie in ihrer Landessprache. Tatsächlich ist der junge Mann von großen Ambitionen getrieben: Er möchte sich eines Tages als Reiseführer für deutsche Touristen einen Namen machen. Wenngleich die Satzbildung ihre Zeit in Anspruch nimmt, ist der junge Mann durchaus in der Lage in fremder Zunge zu berichten, was ihn so bewegt. Seine großzügigen Angebote für eine Exkursion am folgenden Tag, eine Taxifahrt in die Hauptstadt oder ein romantisches Abendessen lehnen die Wandervögel indes dankend ab. Gar kein Problem für den Knaben, der es sportlich nimmt und sich für die Gratis-Deutschstunde bedankt.

Reiseplanung ist schließlich die hoheitliche Aufgabe von Wandervogel 1, die sich frühzeitig aus der von Wandervogel 2 geleiteten Deutschstunde verabschiedet hat und mit einem im Sand sitzenden Einheimischen das Programm für den folgenden Tag aushandelt. Um 6 Uhr dann am Strand und mit seinem Kollegen vier Stunden aufs Meer zum Fischen. Im Anschluss fährt der Kollegen die Wandervögel dann quer über die Insel nach Paje, wo sich die Kitesurfer im weißen Strand suhlen. 100 Dollar? Geht klar. Kreditkarte oder bar? Gelächter. Dann eben bar. Bumm, zack, fertig ist der Lack. Ab ins Bett, damit am nächsten Tag die Armkraft auch ausreicht den großen Fang in den Kahn zu hieven.

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