Mzungu. Ostafrika 2018: Wurstpellen im Ozean

Auf dem Weg die Wandervögel in ihre Unterkunft zu bringen, macht sich der ortsunkundige Fahrer 22 Feinde. Blind den Anweisungen des chinesisch sprechenden Navigationsgeräts folgend, biegt er vom asphaltierten Weg ab und fährt über ein Fußballfeld. Erschwerend kommt hinzu, dass er sich für seine Querfeldeinfahrt den unpassendsten aller möglichen Zeitpunkte auswählt: die Verlängerung des Relegationsspiels zwischen dem 1. FC Sansibar und Real Moshi. Gefühle kochen hoch, Fäuste hämmern gegen Blechteile, Scheiben werden langsam gesenkt und beschwichtigende Worte gesprochen, denen offener Haß entgegenschlägt. Kurz bevor Libero und Torwart den Fahrer aus dem Fahrzeug zerren und zu Brei verarbeiten können, öffnen sich die Tore der Unterkunft und die drei entkommen in letzter Sekunde.

Am nächsten morgen erscheint Matemwe im Nordosten von Sansibar viel zu idyllisch für die Wandervögel, die statt im blendend weißen Sand zu gammeln, lieber schnorchelnd das Mnemba-Atoll inspizieren möchten. Mit einem Stapel Schillinge geht es in eine der örtlichen Tauchschulen, wo die Pressluftfreaks bereits ungeduldig an ihrer Ausrüstung zippeln. Auch die Wandervögel werden ausgestattet und sehen in ihren 5 Millimeter dicken Neoprenanzügen aus wie verkohlte Presswürste. Doch wenn es um Quallen geht, versteht vor allem Wandervogel 1 nicht den geringsten Spaß. Zusammen mit Gruppenführer Hassan und drei weiteren Schnorchel-Interessierten geht es ans Wasser. Im Team Wandervogel dabei: Andreas und Claudia, das teutonische Walfischduo.

Die fröhliche Fahrt zum Schnorchelstrand endet schnell, denn auch in Tansania haben die Dorfsheriffs ein großes Interesse daran, ihr Salär aufzubessern. Also rechts ran und mit der Ordnungsmacht diskutieren, was denn die angemessene Strafe sei, eine Busladung Wasserfreunde einfach so durch die Lande zu kutschieren. Schließlich wird man sich einig, über die Summe vereinbart man stillschweigen. Hassan fragt, ob es in Deutschland auch so liefe, mit der Polizei. Die Wandervögel versuchen ihm klar zu machen, wie es mit der Korruption in der Heimat läuft. Und dass man erst schriftlich nach Vorlage von Beweismitteln zur bargeldlosen Bezahlung der Schuld aufgefordert wird. Hassans Blick zur Folge hat er die Ausführungen nicht verstanden.

Andreas kümmert sich schon vor dem Einsteigen in die Schnorchelboote liebevoll um seine Partnerin. „Pass auf, dass Du nicht in die Scheiße trittst, Claudi!“, warnt er und ermuntert sie „das Boot ist voll, Du kannst er noch eine rauchen, Claudi!“ Auch an Bord dolmetscht er eifrig, damit sie alles mitbekommt, bevor es ins Wasser geht. Beide müssen auf Neoprenanzüge verzichten, denn in ihren Konfektionsgrößen sind diese nicht verfügbar. Aber Claudi hat auch gar nicht so viel Lust auf die Schnorchelei, schließlich hat sie neue Kniee, lässt sie Hassan wissen. Auch hier scheinen die Worte nicht auszureichen, den intendierten Sinn zu transportieren.

Das Atoll des Tages ist weit besser belebt, als der gestrige Kandidat: Stein- und Clownfische, Seeschlangen und -igel sowie zahlreiches weiteres Meeresgetier. Hektisch bedeutet Hassan der Truppe jedoch mitten im Schnorchelgang zum Boot zurückzukehren. Delfineuphorie bricht aus. Fast verpasst der Trupp den Auftritt von Flipper & Co., denn für den durchnässten Andreas gestaltet sich der einstieg selbst mit sechs Händen Hilfe als zeit- und kräfteraubendes Unterfangen. Doch er hat eine Erklärung parat, denn er sei schließlich keine 20 mehr. Dem ist nicht zu widersprechen. Mit Vollgas geht es den Meeressäugern hinterher und weil die Wandervögel immer braf ihre Teller leergegessen haben, gibt es dann auch Delfin satt, Mitschwimmen im Schwarm inklusive.

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