Mzungu. Ostafrika 2018: Mit Präzision nach Tansania

Das elende Gezuckel durch die Hauptstraßen von Entebbe hat den Wandervögeln den Ort gründlich verleidet. Statt wie geplant einen Tag lang durch die ungandische Hauptstadt zu ziehen, verschimmeln die Reisenden am Pool der Backpacker-Unterkunft. Doch der Frieden soll nicht lange währen. Geschäftstüchtig wie die Betreiber von sich glauben mögen, eröffnen sie den Freizeitbereich der Unterkunft gegen ein Handgeld auch Außenstehenden. Links vom Pool dilettieren Urlauber gegen Einheimische im Beach-Volleyball, am rechten Beckenrand gibt ein Vater seinem Kind Schwimmunterricht. Dazwischen junge Entebberrinen und Entebber, die sich mit möglichst ungelenken Sprüngen vom Beckenrand zu übertreffen versuchen. Ausgelassene Menschen, die sich ungehemmt des Lebens freuen – der Horror.

Damit das Abenteuer dem Titel gerecht wird, brechen die Wandervögel am Folgetag zur Weiterreise in das benachbarte Tansania auf. Auf zu dessen halbautonomem Sansibar, um genau zu sein, um dort durch die Atolle zu schnorcheln, sich die Füße im strahlend weißen Feinkorn-Sand zu verbrennen, und diese von der rauschenden Brandung versöhnlich kühlen zu lassen. Doch vor den angestrebten Freuden steht ein weiterer unsäglicher Reisetag in der Verantwortung von *Trommelwirbel* Precision-Airways. Was kann bei so einem bescheidenen Namen schon schiefgehen? In bester Pannenvogel-Manier schallt aus den Kehlen der Stammleserschaft ein schadenfreudiges „ALLES!“ Und so soll es dann auch kommen.

Dass der Name der Fluggesellschaft sich nicht auf Pünktlichkeit bezieht, schließen die Reisenden aus der Tatsache, dass der Flieger weder an Ort und Stelle ist, noch das Flughafenpersonal in der Sache informiert ist. Irgendwann dürfen die Wandervögel dann über das Rollfeld über eine klapprige Treppe in den Bauch einer Propellermaschine klettern, die für den Tag ihr Zuhause werden soll. Entebbe, Kilimanjaro, Daressalam und viele Stunden, Starts und Landungen später schließlich dann auch Sansibar, wo die durchgerüttelten Wandervögel nach der Landung zusammen mit den anderen Passagieren im Gänsemarsch über das Rollfeld zucken. Aufgrund ihrer Zerstörtheit wissen die Wandervögel die poetische Symmetrie des Reiseverlaufs nicht zu würdigen und schleppen sich in ein Terminal, das den Husumer Bahnhof hauptstättisch wirken lässt.

Statt für die Beförderung des Sperrgepäcks auf die etablierte Lösung mechanischer Förderbänder zu setzen, legt man in Tansania Wert auf die persönliche Bindung. Die warnbewesteten Schleppo-Beppos hieven die Gepäckstücke auf Handkarren, ziehen diese über das Rollfeld und laden die Fracht schließlich Stück für Stück in der Ankunftshalle ab. Ihrem Namen alle Ehre machend, haben Precision Airways das Gepäck von Wandervogel 1 präzise verschlampt. Kein Problem für das Personal der Fluglinie, das darauf besteht, dass nichts verloren gegangen sei. In der Precision-Version der Ereignisse, hat sich die Tasche von Wandervogel 1 nämlich in einen zermatschten Rollkoffer verwandelt, den die Wandervögel doch bitte als den Ihren annehmen sollen – schließlich würde doch die Farbe stimmen. Die Wandervögel machen klar, dass sie dem Prinzip „Wundertüte“ nichts abgewinnen können und machen sich an das Ausfüllen der Verlustmeldung.

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