Mzungu. Ostafrika 2018: Canale Grande

Der Kazinga-Kanal ist eine natürliche Wasserstraße, die Lake Edward und Lake George miteinander verbindet. Was andere aus Reiseberichten lernen, erfahren die Wandervögel von Martin, der sie während einer Flussfahrt mit Fakten über die hiesige Fauna überschüttet. Um nicht erneut den teuren Eintritt in den Nationalpark zahlen zu müssen, besteigen die Wandervögel ein Community-Boot und unterstützten so total die Wirtschaft vor Ort, anstatt ihre begehrten Euros dem korrupten ugandischen Staat in die Taschen zu stecken. Soviel Engagement wird dahingehend belohnt, dass die Wandervögel den Kutter für sich alleine haben, viel Raum ohne nervtötende Mitreisende.

Mit soviel Glück nicht genug, serviert Martin den Wandervögeln das volle Programm. Auf Nilpferd-Familien und Nil-Krokodil folgen die Elefanten-Familien, auf die die letzte Tour vergebens gehofft hatte. Frech hatten die sogar gemutmaßt, ein Handlanger von Martin würde Elefantendung am Ufer ausbringen, um die Anwesenheit von Elefanten zu suggerieren. Haltlose Vorwürfe. Vor den Augen der Wandervögel zieht ein Adler sich einen kolossalen Fisch aus dem Kanal und Echsen kopulieren was das Zeug hält – tatsächlich mutet der sexuelle Akt zwischen den Kaltblütern eher wie ein Kampf auf Leben und Tod an. Oxpicker flattern auf grasende Büffel, um diesen die Insekten aus dem Fell zu picken.

Doch alles Schöne muss mal enden und die Wandervögel bis zum Abend viele Kilometer fressen. Besorgt um die inneren Werte des Gefährtes fährt Wandervogel 1 eine Tankstelle an: „Volltanken und Durchchecken, bitte!“ Das Tankstellen-Personal entpuppt sich als Komiker-Truppe. Zu zweit schrauben die Servicekräfte am Tankdeckel, der Schmieraffe verbrennt sich die Hand, als er im Motorraum an Deckeln schraubt, die mit „Caution hot“ markiert sind. Als besondere Serviceleistung empfiehlt der Chef-Komiker ein Durchpusten des Kühlers mit Druckluft, woraufhin er verschwindet und in den folgenden fünf Minuten auch nicht wieder auftaucht. Die Türen zu und ab dafür.

Der Weg soll die Wandervögel in Richtung Fort Portal führen und lässt sie Zeuge eines Wunders werden: ugandischer Straßenbau live und in Farbe. Während ein Warnbewesteter durch einen Feldstecher blickt, vermessen Unbewestete mit einem Meterbandmaß den Abstand zwischen zwei Stöckchen. Geland räumen junge Menschen Findlinge aus dem roten Staub. Ein Laster kippt Schotter ab. Eine Planierraupe planiert. Um den Wahnsinn nicht zu stören, führen menschliche Verkehrszeichen die Fahrzeuge am Baustellenbereich vorbei: wild grüne und rote Fahnenschwenker. This is the real Africa.

Da den Reisenden langsam die Knitten ausgehen, müssen sie dringend eine Bank machen. Eine Herausforderung angesichts der Tatsache, dass es in Uganda einfacher ist Malaria zu bekommen, als eine VISA-Karte an einem Bankomaten einzusetzen. Angekommen in Fort Portal fragt Wandervogel 2 einen Einheimischen nach dem Weg. Da er aus seinen Ausführungen nicht schlau wird, verfrachtet er ihn kurzerhand in das Wandervogel-Mobil, damit er die Urlauber durch die Mini-Metropole lotst. Klappt tadellos, es empfiehlt sich eben immer, einen Einheimischen im Auto zu haben. Was folgt ist das gute Gefühl „1.000.000“ am Bankomaten einzugeben.

Und wieder soll die Ernüchterung der Euphorie den Garaus machen. Den Kofferraum voller Geld biegen die Wandervögel nichtsahnend auf die Piste zum Kibale-Nationalpark. Licht aus. Wolkenbruch an. Alles, aber auch alles was in höheren Höhen an Feuchtigkeit gespeichert ist, ergießt sich auf das Wandervogel-Mobil. Die ächzenden Wischer arbeiten hart daran, sich aus den Verankerungen zu reißen. Stakkato auf der Frontscheibe. Ströme von Mutterboden, die über den Asphaltflickenteppich reißen. Von hektischen Atemzügen bis zur Undurchsichtigkeit beschlagene Scheiben. Inferno. Doch Wandervögel lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit entspannten 20 km/h reiten die Weltenbummler auf der Welle der Apokalypse. Und am Ende wird schließlich doch immer wieder alles gut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.