Mzungu. Ostafrika 2018: Kirchentag mit Kalashnikov

Religion scheint in Uganda noch eine Bedeutung zu haben, denn am Sonntag machen sich die Einheimischen für den Kirchgang fein. Bei den Herren dominiert der Zweiteiler, die Damen hüllen sich in bunte Kleider und Tücher. Besonders viel Mühe dem lieben Herrgott zu gefallen gibt sich die junge Damenwelt, die mit hochgeschnallten Busen, tiefem Ausschnitt und goldenen Sandalen unter dem Sonnenschirm am Wegesrand in das örtliche Gotteshaus trippelt. Die Agnostiker schleppen auch am Sonntag Kanister, Reisig und Holz.

Zwischen Mahindra-Mopeds und Fuso-LKW rumpeln die Wandervögel durch Dörfer, in denen gespaltene Rinderschädel auf Öltonnen-Grills die Kundschaft begrüßen und die wenig Vertrauen erweckende Klinik, neben Auskünften zu Familienplanung, auf Hinweisschildern auch „kleinere Operationen“ anbietet. Nach einem Zwischenstopp an der örtlichen Benzinpumpe biegen die Wandervögel in den Queen-Elizabeth-National-Park ein, wo die legendären Baumlöwen von Ishasha in den Wipfeln der Savanne abhängen sollen.

Die Savanne entpuppt sich bei näherer Betrachtung als äußerst tierarm. Vielleicht hätten die Wandervögel eine der sicher preiswerten Karten am Parkeingang kaufen sollen? Nach gut eine Stunde haben die Reisenden lediglich die schreiend roten Gesäße von Pavianen vor die Linse bekommen und die Schnauze so richtig voll, dass sie zu einer verzweifelten Tat schreiten. Sie nehmen die Dienste einer käuflichen Person in Anspruch. Für 20 Dollar steigt eine Park-Rangerin in das Wandervogel-Mobil, die verspricht die Tierverstecke zu kennen. Für den Fall, dass wilde Tiere zu Nahe kommen, trägt sie eine Kalashnikov lässig über der Schulter.

Tatsächlich dauert es keine 20 Minuten bis die ersten Büffel vor die Linse kommen, gefolgt von langhornigen kopulierenden Impalaartigen und Warzenschweinen. Von den legendären Baumlöwen allerdings keine Spur; zumindest keine für die Wandervögel ersichtliche. Anders scheint es der Rangerin zu gehen, die an den Gabelungen der Rumpelpfade zielstrebig das Abbiegen bedeutet. Neben einem Schild, dessen Aufschrift darauf hinweist, dass das Abbiegen vom Weg mit einer 150-Dollar-Buße geahndet wird, fordert Madame Kalashnikov zum befahren des Grünstreifens auf.

An der Klippe einer Anhöhe blicken die Wandervögel in ein Tal mit einem Baum und in diesem aalt sich, mit viel Fantasie, ein Eingeborener im Baumlöwen-Kostüm. Klack, Klack, Klack, die wackeligen Schnappschüsse im Kasten und dann nichts wie zurück auf die Straße. Just als die Expedition wieder auf dem korrekten Pfad angekommen ist, kommt eine Safari-Tour heran geprescht, biegt munter in die Botanik ab und hält nach dem Baumlöwen-Baum Ausschau. Fröhlichen Mutes macht sich die Rangerin auf den Weg, um die Illegalen auf das Halteverbot hinzuweisen. Ein lukrativer Zuverdienst.

Der Abend endet für die Reisenden schließlich im Zeltlager. Inmitten des Nirgendwo, nahe am Kazinga-Kanal, kippen sie ihre Klamotten in einer Freiluft-Behausung ab und genießen von der naheliegenden Terrasse bei einem Bier zum Webervögel-Konzert den Blick auf streunende Elefanten. So idyllisch-exotisch der Anblick, stellt sich das Nachtlager schließlich als tückisch heraus, denn trotz bewaffnetem Wachmanns schläft man aufgrund des nahen Trompetens und Löwengebrülls nur so mittelfest. Im Morgengrauen gibt sich das Tierreich die Klinke in die Hand, nach dem Abziehen der Großsäuger legen die Piepmätze los. Der Ruf der Wildnis kennt keine Atempausen.

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