Xbox 360: Bulletstorm

Von Anfang an geht es straff zur Sache, in den ersten beiden Spielminuten werden zwei Drittel der Spielmechaniken eindrucksvoll dargelegt. Im Beisein eines besoffenen und rülpsenden Kampfgefährten üben wir uns im Zielschießen und versetzen dem menschlichen Ziel anschließend einen markigen Tritt, um es in die endlosen Weiten des Weltraum zu befördern. Bulletstorm macht vom spielbaren Intro an klar, dass es völlig belangloser Unsinn ist, der sich an in der Pubertät verhangene Männer richtet. Rülpsen, ballern, rülpsen, treten, rülpsen und die Plasma-Peitsche schwingend, dumme Sprüche reißend, martialische Gewaltfantasien ausleben. Commando, Die hard und Starship Troopers stehen atmosphärisch Pate, wenn das A-Team des 22. Jahrhunderts loslegt.

Genretypisch sind die Kernstücke der Handlung belanglos: Ein böser menschenverachtender General, Betrug, Lüge, Ehre, Rache – wenn man Action hat, bracht man keine Handlung. Explosionen kompensieren Prosa und so geht es mit einfacher aber effektiver Spielmechanik zur Sache. Klare deutliche Sprache mit unterhaltsamen wie emphatischen Einsprengseln wie „Arschmade“ sorgt für atmosphärische Dichte. Kontrastiert wird die Handlungsarmut durch Schadenfreude: Treten wir einem Gegner markig mit Stiefel ins Gesicht, segelt dieser in Zeitlupe durch die Luft und überlässt es unserer Verdorbenheit, ob wir seinen seelenlosen Leib mit Blei beschweren oder mit der Elektropeitsche wieder heranholen möchten. Nur um ihn dann in einen Kaktus oder ein Stahlgitter zu treten. Selten hat offen präsentierter Sadismus so viel Freude bereitet. Die Entwickler von People Can Fly (@Bulletstorm) haben ganze Arbeit geleistet.

Die Gewalt ist aber nicht reiner Selbstzweck, sadistischer Erfindergeist wird benötigt, um mit absurden Tötungsmethoden Skillpoints zu sammeln. Also nicht einfach erschießen, sondern mit einem Benzintank bewerfen, diesen zerschießen, den brennenden Feind mit der Elektropeitsche heranholen und dann mit einem markigen tritt in hohem Bogen in einen Kaktus befördern. Skill, Baby, it’s all about skill! Ein echter Mann betrinkt sich an den in den Leveln herumstehenden Bierflaschen um anschließend, mit schwer eingeschränktem Sichtfeld und übermäßig träger Steuerung zum Stroboskoplicht auf der Tanzfläche einer Resort-Disco mit der Minigun Interieur und unliebsame Gäste in Einzelteile zu zerlegen. Benzinfässer, Berserker-Sporen menschenfressenden Pflanzen… die Möglichkeiten, die Umgebung in die Tötungsorgie mit einzubeziehen, sind zahlreich und vielfältig.

All die Hektik, Ballerei und Explosionen wirken noch wilder, da sich Bulletstorm fast wie ein Railshooter spielt. Wege sind klar vorgegeben. Hüpfen ist nicht, nur ballern, peitschen, treten. Es gibt es nicht zu entdecken, abgesehen von vereinzelten Munitionskisten und Bierflaschen am Wegesrand. Bitte gehen Sie weiter, bitte nageln Sie um. Langeweile kommt dennoch nicht auf, dafür sorgen fernsteuerbare Godzilla-Figuren, führerlose Schaufelräder, kollabierende Häuserkomplexe und aus der Schiene springende Monorails – der Spieler immer atemlos mitten drin. Einzig ein vernünftiges Deckunsgssystem, wie es Gears of War seit dem ersten Teil mitbringt, wird schmerzlich vermisst. Das bisschen Ducken und in-die-Hocke-gehen, zu dem die Spielfiguren in der Lage sind, mutet unsinnig an. Bulletstorm ist kurzweilig, sexistisch, gewaltverherrlichend und immer wieder packend – beste Unterhaltung.

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