B.P.R.D. – Vampire (Mignola/Bá/Moon)

Mignola erzählt gemeinsam mit Gabriel Bá und Fábio Moon eine kleine Geschichte über den nicht weiter bekannten oder bedeutenden B.P.R.D.-Agenten Simon Anders, der sich auf macht, die Wurzel seiner Alpträume auszureißen. Auf der Suche nach Vampiren geht es in tschechische Schlösser und unter die Erde, was Bá und Moon ausreichend düster aber mitunter mit einem etwas zu lieblos-gefälligem Strich umsetzen.

Leider wird es in Tschechien dann konfus und der klare Faden, an dem entlang der Vampirjäger sich seinem Tagesgeschäft widmet, verknotet und verknäult sich zu einer wirren Geschichte. Irgendwann geht es dann mehr um Hexen als um Vampire und der ehemalige Vampirjäger ist plötzlich selbst ein Untoter; ein unauflösbares Mythen-Knäuel. Besonders bemüht die Gastauftritte von Hellboy und Varvara, um den verzichtbaren Unsinn in das B.P.R.D.-Universum einzubinden.

Punisher – The Tiger (Ennis/Severin)

Garth Ennis ist über ein William-Blake-Gedicht gestolpert. Er verwendet The Tiger als ein spät eingeführtes Leitmotiv für eine Geschichte, die ohne besser ausgekommen wäre. Denn Metaphern sind nicht gut für den Punisher.

Ebenfalls wenig erbaulich ist das Artwork von John Severin. Was bleibt ist ein unökonomisch erzählter Quark aus Schmonzette, Vietnam und Rache, die viel zu wenig Gewalt fährt. Punisher und Poesie… hätte man sich denken können.

Hawkeye 11-22 (Fraction/Aja)

Die Sicht aus den Augen eines Hundes, eine Silent-Issue in Gebärdensprache – so innovativ wie anstrengend; die Umsetzung, als hätte Chris Ware ein paar Tipps zur Gestaltung gegeben. Inhaltlich bleibt das Geschehen banal. Dennoch den Eisner Award 2014 für die beste Einzelausgabe verdient.

Aber das Leben von Cliff Barton als Nicht-Avenger ist eben einfach nicht so aufregend. Auch das seines Bruders oder von Kate Bishop nicht. Doch kein Ärgernis, weil Fraction häufig multiperspektivsch arbeitet und Triviales aus anderen Winkeln erneut präsentiert, um so den Fokus immer weiter zu öffnen und bewusst unklar Dargestelltes oder Fragmentiertes nachträglich zu präzisieren.

Fraction erzählt mit einem Blick für die Details, die Barton, der im Nebenjob Hausmeister ist, menschlich machen. Die Schattenseite des Superhelden-Daseins ist eben, dass das Alltägliche noch trivialer erscheint. Die Schattenseiten des Runs sind die Ausgaben, in denen Aja und Hollingsworth an Francavilla, Wu & Co. übergeben.

Punisher Max 1-5 (Aaron/Dillon)

Jason Aaron ist ein veritabler Garth-Ennis-Ersatz, aber nach Jahren im Punisher-Dreamteam weiß Steve Dillon – möge er in Frieden ruhen – eben auch alleine, wie man Stimmung für einfache Menschen macht; aus den Höhlen hängende Augäpfel und gesprengte Pferde inklusive.

Immer schön geradeaus und gemächlich fährt der Pferdewagen auf seiner Tour de Force durch die Neugeborenenstation. Das ist aber nichts Besonderes nach all den Ennis/Dillon-Touren. So ist was bleibt eben auch nichts Denkwürdiges, aber wieder mal eine Reise entlang der Grenzen der Geschmacklosigkeit, die unterhält.

Bamm.

Lodger 1-5 (Lapham)

Lapham ist zu verliebt in die Struktur, was die Erzählung, die aber nicht genial ist, und die Handlung unnötig kompliziert und streckt. Kontrastierend tumb dann die externen Monologe mit dem Revolver, weil die Protagonistin keinen Hund hat.

Zudem sehen alle Figuren gleich aus, was es noch schwerer macht. Oder sie sehen plötzlich anders aus, was die Sache nicht vereinfacht. Vielleicht soll es auch Unverlässlichkeit in der Erzählweise sein. Oder eine Psychose der Hauptfigur. Formalismusverliebtheit.

Lapham verlangt, dass man sich für die Leerstellen im Plot so lange interessiert, bis er die Lösung serviert. Also alle Lösungen für alle Leerstellen in der letzten Ausgabe. Erst kaputt machen, dann heilen.

Das alles kann man machen, aber dann muss die Geschichte linear chronologisch stärker sein.

Am Ende Enttäuschung.

Dann doch lieber Brubaker/Phillips.